Übersicht
Prostatakrebs - Was nun?
Die Lage der Prostata
Welche Funktion hat die
Prostata?
Warum entsteht
Prostatakrebs?
Wie kann man Prostata-
krebs behandeln?
Wie weit ist der Krebs
fortgeschritten?
Wie aggressiv ist der Krebs?
Hat sich der Tumor bereits
ausgedehnt?
Welche Therapie ist für mich
die richtige?
Wie soll ich mich
entscheiden?
Was sollte man
außerdem tun?
Wer kann mir weiter helfen?
Die Partin-Tabellen
Erklärung von
Fachausdrücken
Das TNM-System
Nützliche Adressen
Impressum
Ratgeber herunterladen
    Übersicht     Strahlentherapie
    Abwarten und Beobachten     Hormontherapie
  Operation der Prostata     Chemotherapie
 
Welche Therapie ist für mich die richtige?

Hormontherapie
Das männliche Geschlechtshormon Testosteron steuert nicht nur Entwicklung und Aktivität der gesunden Prostata, es fördert auch das Wachstum von Prostatakrebszellen. Das heißt im Umkehrschluss: Wird die Wirkung des Testosterons auf die Prostata unterbunden, können die Krebszellen schlechter wachsen oder sterben ab (Apoptose = programmierter Zelltod von Krebszellen). Diesen Zusammenhang nutzt die Hormontherapie. So kann der Krebs über eine sehr lange Zeit, nicht selten bis zum Zeitpunkt des natürlichen Todes, kontrolliert werden. Hierzu gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

chirurgische Kastration
medikamentöse Kastration
Androgen-Blockade

       
  Wird die Wirkung
des Geschlechtshormons
Testosteron auf die
Prostata
unterbunden,
können die
Krebszellen schlechter wachsen
oder sie sterben ab.
   
       

Chirurgische Kastration
Da Testosteron hauptsächlich in den Hoden entsteht, kann seine Produktion durch die operative Entfernung der Hoden schnell gestoppt werden. Ein entscheidender Nachteil dieser Therapie besteht jedoch darin, dass aufgrund des Hormonentzugs oft nicht nur körperliche Nebenwirkungen auftreten, sondern ein Leben ohne Hoden auch psychisch stark belastend ist. Zudem ist dieser Eingriff nicht mehr rückgängig zu machen.

Medikamentöse Kastration

So genannte LHRH-Analoga greifen in den entsprechenden Hormonregelkreis ein und stoppen so die Produktion von Testosteron in den Hoden. Unabhängig davon, ob die Kastration operativ oder medikamentös erfolgt, führt ein erniedrigter Testosteronspiegel im gesamten Körper zu unangenehmen Begleiterscheinungen: Dieses sind zunächst Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Impotenz, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit und später ein Brüchigwerden der Knochen (Osteoporose), was zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt. Bei einer zeitlichen Begrenzung der Hormonblockade ist eine anschließende Erholung des Testosteronspiegels möglich. Aus diesem Grund wird zurzeit in mehreren Studien das Konzept der "Intervalltherapie" getestet. Eigenart der LHRH-Analoga zu Beginn der Behandlung ist es, zunächst einen Testosteronschub zu verursachen. Um die Wirkung des Testosterons zu blockieren, ist in den ersten Wochen die Kombination mit so genannten Antiandrogenen erforderlich (siehe Androgen-Blockade). Die Kombination von LHRH-Analogon und Antiandrogen nennt man maximale Androgenblockade (MAB).

Androgen-Blockade
Das in den Hoden oder den Nebennieren gebildete Testosteron gelangt über die Blutbahn zur Prostata, wo es seine Wirkung auf die Tumorzellen entfaltet. Antiandrogene blockieren diese Wirkung direkt in den Krebszellen. Sie werden nach ihrer chemischen Struktur in zwei Gruppen eingeteilt:

Steroidale Antiandrogene
Steroidale Antiandrogene ähneln im Aufbau den weiblichen Geschlechtshormonen (Gestagenen). Ihre Einnahme verursacht daher deren typische Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme oder Gefäßverschlüsse (Thromboembolien). Da steroidale Antiandrogene auch den Testosteronspiegel senken, können - ähnlich wie bei einer Kastration - Einschränkungen der Libido- und Erektionsfähigkeit auftreten. Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist Cyproteronacetat.

Nichtsteroidale Antiandrogene
Nichtsteroidale Antiandrogene haben den entscheidenden Vorteil, dass sie den Testosteronspiegel im Körper nicht absenken. Werden sie alleine angewandt, bleiben daher allgemeine Leistungsfähigkeit und Knochendichte erhalten, was die Lebensqualität positiv beeinflusst. Selbst die Potenz kann unter Antiandrogenen aufrechterhalten werden. Eine typische Nebenwirkung ist die Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie). Dies kann eine vorsorgliche Bestrahlung der Brustwarzen jedoch meist verhindern. Das am besten verträgliche Antiandrogen ist Bicalutamid. Es kann so hoch dosiert werden, dass es in frühen Stadien eine der Kastration vergleichbare Wirkung auf die Tumorzellen hat.

Bei fortgeschrittenen Tumorstadien (Knochenmetastasen) ist die Hormontherapie die Standardbehandlung, da in diesen Fällen eine lokale Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) keine Vorteile in Bezug auf die Tumorkontrolle für den Patienten hat und nur das Risiko von Nebenwirkungen birgt. Auch bei Patienten, die z.B. aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen für eine Operation oder Strahlentherapie nicht in Frage kommen oder auf ihren Wunsch hin diese Behandlungen ablehnen, kann eine alleinige Hormontherapie angezeigt sein. Eine Heilung durch alleinige Hormontherapie ist unwahrscheinlich.

International werden unterschiedliche Therapieprotokolle beim fortgeschrittenen (metastasierten) Karzinom diskutiert. Und zwar:

die einfache Hormonblockade
(Antiandrogen oder LHRH-Analogon)
die zweifache Hormonblockade
(Antiandrogen und LHRH-Analogon)
die dreifache Hormonblockade
(Antiandrogen und LHRH-Analogon und
5-alpha-Reduktase-Hemmer)

       
  Bei Risikopatienten kann nach
Operation oder Bestrahlung eine
sofortige zusätzliche
Hormontherapie sinnvoll sein.
   
       

Wie in den Abschnitten "Operation" und "Strahlentherapie" bereits erwähnt, kann bei Risikopatienten auch nach lokaler Therapie eine sofortige zusätzliche Hormontherapie (adjuvante Hormontherapie) über eine gewisse Zeitspanne (z.B. 2 Jahre) sinnvoll sein. Diese Behandlung sollte direkt im Anschluss an die Operation oder Bestrahlung begonnen werden, auch wenn der Krebs zunächst geheilt zu sein scheint. Denn nach diesen Behandlungsmaßnahmen besteht die Gefahr, dass sich eventuell zurückbleibende Krebszellen wieder ausbreiten, einen neuen Tumor bilden und der Patient somit einen Rückfall (Rezidiv) erleidet.

Patienten, bei denen z.B.

der PSA-Wert vor Therapiebeginn größer als 20 ng/ml,
die Gleason Summe größer als 6,
der Absetzungsrand nach einer Operation nicht tumorfrei,
das Tumorstadium größer als T2 ist
  oder
die Lymphknoten befallen sind,

sind gefährdet. In diesen Fällen sollten im Anschluss an Tumorentfernung oder -zerstörung begleitende Therapiemaßnahmen ergriffen werden.

Bislang wurden in der adjuvanten Hormontherapie meist LHRH-Analoga eingesetzt. Da die Behandlung mit Medikamenten dieser Wirkstoffgruppe die Lebensqualität jedoch erheblich einschränkt, ist die erforderliche langjährige Therapie problematisch. Ergebnisse des weltweit größten Studienprogramms zum Prostatakarzinom (EPC- oder "Early Prostate Cancer"- Programm) mit über 8.000 Patienten haben gezeigt, dass das Risiko eines Rezidivs durch das nichtsteroidale Antiandrogen Bicalutamid wirksam verringert werden kann, ohne die Nebenwirkungen eines Testosteronentzugs in Kauf zu nehmen.