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| Welche Therapie ist für mich die richtige? |
Hormontherapie
Das männliche Geschlechtshormon
Testosteron steuert nicht nur Entwicklung und Aktivität der gesunden
Prostata, es fördert auch das Wachstum von Prostatakrebszellen.
Das heißt im Umkehrschluss: Wird die Wirkung des Testosterons auf
die Prostata unterbunden, können die Krebszellen schlechter wachsen
oder sterben ab (Apoptose = programmierter Zelltod von Krebszellen).
Diesen Zusammenhang nutzt die Hormontherapie. So kann der Krebs über
eine sehr lange Zeit, nicht selten bis zum Zeitpunkt des natürlichen
Todes, kontrolliert werden.
Hierzu gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
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Wird die
Wirkung
des
Geschlechtshormons
Testosteron
auf
die
Prostata
unterbunden,
können die
Krebszellen
schlechter
wachsen
oder
sie sterben ab. |
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Chirurgische Kastration
Da Testosteron hauptsächlich in den Hoden entsteht, kann seine Produktion durch die operative Entfernung der Hoden schnell gestoppt werden. Ein entscheidender Nachteil dieser Therapie besteht jedoch darin, dass aufgrund des Hormonentzugs oft nicht nur körperliche Nebenwirkungen auftreten, sondern ein Leben ohne Hoden auch psychisch stark belastend ist. Zudem ist dieser Eingriff nicht mehr rückgängig
zu machen.
Medikamentöse Kastration
So genannte LHRH-Analoga greifen in den entsprechenden Hormonregelkreis ein
und stoppen so die Produktion von Testosteron in den Hoden. Unabhängig davon, ob die Kastration operativ oder medikamentös erfolgt, führt ein erniedrigter Testosteronspiegel im gesamten Körper zu unangenehmen Begleiterscheinungen: Dieses sind zunächst Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Impotenz, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit und später ein Brüchigwerden der Knochen (Osteoporose), was zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt. Bei einer zeitlichen Begrenzung der Hormonblockade ist eine anschließende Erholung des Testosteronspiegels möglich. Aus diesem Grund wird zurzeit in mehreren Studien das Konzept der "Intervalltherapie" getestet.
Eigenart der LHRH-Analoga zu Beginn der Behandlung ist es, zunächst einen Testosteronschub
zu verursachen. Um die Wirkung des Testosterons zu blockieren, ist in den ersten
Wochen die Kombination mit so genannten Antiandrogenen erforderlich (siehe Androgen-Blockade).
Die Kombination von LHRH-Analogon und Antiandrogen nennt man maximale Androgenblockade
(MAB).
Androgen-Blockade
Das in den Hoden oder den Nebennieren gebildete Testosteron
gelangt über die Blutbahn zur Prostata, wo es seine Wirkung auf die Tumorzellen
entfaltet. Antiandrogene blockieren diese Wirkung direkt in den Krebszellen.
Sie
werden nach ihrer chemischen Struktur in zwei Gruppen eingeteilt:
Steroidale Antiandrogene
Steroidale Antiandrogene ähneln im Aufbau den
weiblichen Geschlechtshormonen (Gestagenen). Ihre Einnahme verursacht daher deren
typische Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme oder Gefäßverschlüsse
(Thromboembolien). Da steroidale Antiandrogene auch den Testosteronspiegel senken,
können - ähnlich wie bei einer Kastration - Einschränkungen der
Libido- und Erektionsfähigkeit auftreten. Vertreter dieser Wirkstoffgruppe
ist Cyproteronacetat.
Nichtsteroidale Antiandrogene
Nichtsteroidale Antiandrogene haben den entscheidenden
Vorteil, dass sie den Testosteronspiegel im Körper nicht absenken. Werden
sie alleine angewandt, bleiben daher allgemeine Leistungsfähigkeit und Knochendichte
erhalten, was die Lebensqualität positiv beeinflusst. Selbst die Potenz
kann unter Antiandrogenen aufrechterhalten werden. Eine typische Nebenwirkung
ist die Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie). Dies kann eine
vorsorgliche Bestrahlung der Brustwarzen jedoch meist verhindern. Das am besten
verträgliche Antiandrogen ist Bicalutamid. Es kann so hoch dosiert werden,
dass es in frühen Stadien eine der Kastration vergleichbare Wirkung auf
die Tumorzellen hat.
Bei fortgeschrittenen Tumorstadien (Knochenmetastasen)
ist die Hormontherapie die Standardbehandlung, da in diesen Fällen eine
lokale Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) keine Vorteile in Bezug auf
die Tumorkontrolle für den Patienten hat und nur das Risiko von Nebenwirkungen
birgt. Auch bei Patienten, die z.B. aufgrund ihres Alters
oder Vorerkrankungen
für eine Operation oder Strahlentherapie nicht in Frage kommen oder auf
ihren Wunsch hin diese Behandlungen ablehnen, kann eine alleinige Hormontherapie
angezeigt sein. Eine Heilung durch alleinige Hormontherapie ist unwahrscheinlich.
International
werden unterschiedliche Therapieprotokolle beim fortgeschrittenen (metastasierten)
Karzinom diskutiert.
Und zwar:
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die einfache Hormonblockade
(Antiandrogen oder LHRH-Analogon) |
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die zweifache Hormonblockade
(Antiandrogen und LHRH-Analogon) |
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die dreifache Hormonblockade
(Antiandrogen und LHRH-Analogon und
5-alpha-Reduktase-Hemmer) |
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Bei Risikopatienten
kann
nach
Operation
oder Bestrahlung
eine
sofortige
zusätzliche
Hormontherapie
sinnvoll
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Wie in den Abschnitten "Operation" und "Strahlentherapie" bereits erwähnt,
kann bei Risikopatienten auch nach lokaler Therapie eine sofortige zusätzliche
Hormontherapie (adjuvante Hormontherapie) über eine gewisse Zeitspanne (z.B.
2 Jahre) sinnvoll sein. Diese Behandlung sollte direkt im Anschluss an die Operation
oder Bestrahlung begonnen werden, auch wenn der Krebs zunächst geheilt zu
sein scheint. Denn nach diesen Behandlungsmaßnahmen besteht die Gefahr,
dass sich eventuell zurückbleibende Krebszellen wieder ausbreiten, einen
neuen Tumor bilden und der Patient somit einen Rückfall (Rezidiv)
erleidet.
Patienten, bei denen z.B.
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der PSA-Wert vor Therapiebeginn größer
als 20 ng/ml,
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die Gleason Summe größer als 6,
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der Absetzungsrand nach einer Operation nicht tumorfrei,
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das Tumorstadium größer als T2 ist
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die Lymphknoten befallen sind,
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sind gefährdet. In diesen Fällen sollten im Anschluss an Tumorentfernung
oder -zerstörung begleitende Therapiemaßnahmen ergriffen werden.
Bislang
wurden in der adjuvanten Hormontherapie meist LHRH-Analoga eingesetzt. Da die
Behandlung mit Medikamenten dieser Wirkstoffgruppe die Lebensqualität jedoch
erheblich einschränkt, ist die erforderliche langjährige Therapie problematisch.
Ergebnisse des weltweit größten Studienprogramms zum Prostatakarzinom
(EPC- oder "Early Prostate Cancer"- Programm) mit über 8.000 Patienten haben
gezeigt, dass das Risiko eines Rezidivs durch das nichtsteroidale Antiandrogen
Bicalutamid wirksam verringert werden kann, ohne die Nebenwirkungen eines Testosteronentzugs
in Kauf zu nehmen.
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